Herzmann · Papas Zwillingsalltag · Zwillinge

Papas Zwillingsalltag Folge 1

20161102_125335

Wer kennt diese Situation nicht: Der Nachwuchs erwacht aus dem wohlverdienten Schönheitsschlaf und hat nur eines im Kopf – Essen!


Damit ist natürlich deutlich weniger die Stadt im Ruhrgebiet gemeint als vielmehr die Milchration, die ein neugeborenes Kind anfangs alle 3-4 Stunden einfordert.
Man handelt als Elternteil sofort. Wird das Kind gestillt, legt die Mutter das Kind an und alle Sorgen sind zumeist vergessen – wenigstens beim Nachwuchs. Für die Mutter bedeutet die nahezu permanente zwangsweise Verfügbarkeit als Milchbar deutlich mehr Stress. Von wundgenuckelten Brustwarzen und anderen Problemen ganz zu schweigen. Und dann sind da ja noch die Flaschenkinder.
Diese Spezies von Kindern saugt also Flaschen voller Mutter- oder Ersatzmilch leer und befindet sich dabei vorzugsweise dicht angekuschelt im Arm des Vaters oder der Mutter. Stressig wird es für die Eltern zumeist bei der Herstellung der Fläschchen, sofern diese mit Ersatzmilch gefüllt sind. Diese wollen frisch vor der Mahlzeit aus Wasser und Milchpulver zusammengemixt und auf die richtige Temperatur gebracht werden. Vorzugsweise natürlich, während der Nachwuchs laut schreiend auf dem eigenen Arm verweilt und sämtliche Geduld (berechtigterweise, wer wartet schon gerne hungrig auf sein Essen?) vermissen lässt.

In unserem Fall gestaltet sich die Thematik des Fütterns im Normalfall wie im zuletzt beschriebenen Beispiel. Nur dass hier zwei Kinder im Spiel sind. Also alles machbar, sollte man meinen.
Und dann gibt es Situationen, die nicht sonderlich berechenbar sind.

Die Abläufe bei uns sind an sich klar verteilt. Erst werden die Kinder nacheinander gewickelt, währenddessen bereitet der Partner die Fläschchen vor. Sobald die Kinder also vom Wickeltisch in den Arm eines Elternteils sinken, steht die Nahrung bereit und das Kind wird in ein Spucktuch gehüllt, welches bis zur Ankunft des Fläschchens an den Lippen als wunderbares Spielzeug und Saugwerkzeug dient, auch wenn es augenscheinlich nicht sonderlich gut schmeckt. Sollte sich das Kind während des Essens verschlucken oder husten müssen, wird ihm die Flasche einfach kurz geklaut und kurz darauf – meist nach dem Versuch, dem Kind ein Bäuerchen zu entlocken – wieder vorgesetzt.

So weit, so simpel. Sollte man meinen.

Schlecht trinkende Kinder, schlecht gelaunte Kinder, welche sich partout weigern, den Mund aufzumachen oder wilde Spuckattacken gehören ebenso mit zur Fütterung wie die meist nicht sonderlich gut riechenden Rülpser, welche bei Säuglingen noch liebevoll als Bäuerchen abgestempelt werden, jedoch dringend notwendig sind.

Und dann gibt es natürlich auch Momente, in denen ein Elternteil mit den Kindern alleine ist.

Die Abläufe sind in solchen Situationen keineswegs fest gestaffelt. Wartet man mit dem Wickeln, bis die Kinder wach werden und anfangen, sich nach ihrem Essen zu beklagen? Welches Kind kommt zuerst an die Reihe? Was mache ich, wenn beide Kinder plötzlich losschreien?

Zunächst einmal – Ruhe ist alles.
Sich selbst zu stressen ist in solchen Momenten der schwerste aller Fehler, der sich im Normalfall sogar noch auf die Kinder auswirkt und dafür sorgt, dass diese noch unruhiger werden als ohnehin schon.
Die Kinder müssen gewickelt werden. Im Bestfall vor der Mahlzeit, sonst kommt bei etwas ruppigeren Bewegungen die halbe Flasche wieder hoch. Für ein eingespieltes Elternteil-Kind-Team kein großes Hindernis, selbst wenn die Windel mit einer Art ockerfarbenem Brei gefüllt ist, der auch noch ganz erbärmlich vor sich hin müffelt.

Und dann geht es ans Fläschchen machen, was dann schon deutlich problematischer ist. Lassen sich die Kinder ablegen, ohne das sofort ein Sturm der Entrüstung losbricht? Und warum bin ich auf einmal so gehetzt, selbst wenn kurzzeitig Ruhe herrscht?

Säuglinge lassen sich leider nicht mit einem „In einer Minute ist deine Flasche fertig, mein Schatz!“ abspeisen. Wäre auch irgendwie zu einfach. Man kann natürlich darüber diskutieren, ob es okay ist, ein Baby auch mal schreien zu lassen, ich für meinen Teil möchte meinen Kindern jedoch so wenig Grund wie möglich geben, zu weinen. Also kommt das unruhigere der beiden Kinder mit auf den Arm, um sämtliche meiner Arbeitsschritte genau zu überwachen. Stimmt die Temperatur? Sind da auch wirklich genug Löffel Milchpulver drin? Und warum zur Hölle ist Papa noch nicht fertig?!

Hierbei ist ein Wasserkocher mit Temperaturregelung ein absoluter Segen. Wir haben uns unseren zugelegt, kurz nachdem die Jungs nach Hause durften. Und es ist eine extreme Erleichterung. Das Wasser wird vorab abgekocht und sobald nötig auf eine festlegbare Temperatur erhitzt, was innerhalb von (je nach Wassermenge) 30-60 Sekunden passiert. Ein Träumchen, besonders wenn man Kinder hat, die sich gerne mal in die Besinnungslosigkeit brüllen, wenn es mal nicht schnell genug geht. Davon wurden wir bislang jedoch glücklicherweise verschont.

Und dann geht es an die Raubtierfütterung.
Ein Kind auf dem Schoß, das andere neben mir auf dem Sofa. Ihr erinnert euch an die Passage mit dem Spucktuch als Saugwerkzeug? Ist an sich ne tolle Sache – sofern der Nachwuchs nicht den Kopf zur Seite legt, weil das einfach bequemer ist. Die Kinder dann dazu zu bewegen, sich wieder gerade hinzulegen, ist im Zweifelsfall schwerer als gedacht. Und sofern man es hinbekommt und nicht schon in einer der nötigen acht Hände das Fläschchen parat hat, darf man wenige Sekunden später von vorne beginnen.
Beim ersten zu versorgenden Kind ist das alles noch recht einfach. Wenn dieses Kind aber bereits ein Fläschchen im Mund hat und nur noch eine Hand des Papas oder der Mama frei ist und Kind 2 den Kopf schief legt und man einfach nicht mit dem Sauger in den Mund des Kindes kommt, steht man kurzzeitig vor echten Problemen. Hat man auch dieses Problem gelöst, folgt der entspannendste Teil der Fütterung – das Essen selbst. Oder?

Husten, Trinkfaulheit, sich verschlucken – Babies beherrschen die komplette Palette des die Eltern in den Wahnsinntreibens. Besonders in solch einer Konstellation. Während Kind 1 fleißig trinkt, fängt Kind 2 an zu husten. Was tun? Kind 2 muss aufgerichtet werden, um nicht zu ersticken. Also Flasche raus aus’m Mund und versucht, das Kind mit einer Hand aufzurichten. Und im Zweifelsfall hat Kind 1 ein paar Sekunden später das gleiche Problem. Und dann?

Problemlösungsstrategien sind ein großer und wichtiger Teil des Elternseins. Ohne schnelle Lösungen sind in schwierigen Situationen nicht nur wir Eltern, sondern vor allem unsere Kinder aufgeschmissen, da sie sich nicht einfach selbst helfen können. Die Verantwortung, die dadurch auf den Schultern von uns Eltern lastet, ist dementsprechend enorm, besonders in den ersten Monaten nach der Geburt. Aber jedes Elternteil wächst mit seinen Aufgaben. Dachte ich noch vor einigen Wochen, ich würde die Jungs niemals allein versorgt bekommen, funktioniert dies heute nahezu problemlos.

Und wenn etwas Unvorhergesehenes passiert, wird sich schon eine Lösung finden…


 

Den nächsten Beitrag vom Herzmann gibt es am 07. Dezember!

Advertisements

Ein Kommentar zu „Papas Zwillingsalltag Folge 1

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s